#87 Kultur verteidigen – mit Hermann Parzinger

Shownotes

Hermann Parzinger ist eigentlich Archäologe, der breiten Öffentlichkeit aber vor allem als Kulturmanager bekannt. Nachdem er über viele Jahre Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz war, zu der zahlreiche Berliner Museen und Bibliotheken gehören, ist er seit April dieses Jahres Kurator des Hauptstadtkulturfonds. Wie man in Zeiten zunehmender Polarisierung Kultur verteidigt, erklärt er im aktuellen „Fantasiemuskel“.

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00:00:00: Hermann Parzinger ist vielen als langjähriger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturesitz bekannt.

00:00:05: Seit April diesen Jahres ist er Kurator des Hauptstadt-Kulturforces, ausgebildet wurde er als Archäologe und hat sich zu Beginn seiner Karriere mit über zehntausend Jahre alter Kunst beschäftigt.

00:00:18: wie man die Spanne über so viele Zeitepochen schlägt und ob ihm seine Erfahrung als Kampfsportler dabei hilft sich gegen politische Einflussnahme zu wehren erfahren Sie in dieser Folge von Phantasie Muskel, dem Monopol Podcast über Kunst, Wirtschaft und gesellschaftliche Transformation.

00:00:37: Mein Name ist Friedrich von Borjez und ich freue mich, dass du heute Zeit für uns hast!

00:00:42: Ich freue mich auch.

00:00:43: Danke!

00:00:59: Ja wir fangen immer biografisch An, Archäologe wahrscheinlich auch.

00:01:06: Bist ja ein bisschen älter als ich aber auch in deinem Abiturjahrgang nicht der häufigste Berufswunsch gewesen?

00:01:13: Wie bist du zur Archäologie gekommen?

00:01:16: Und das ist in der Tat so, man muss dazu sagen, ich komme aus einem sogenannten nicht akademischen Elternhaus, wo sich bei der Erste, die studiert hat, studieren konnte, Abitür gemacht hat und bei uns lagen eben also meine beiden Eltern.

00:01:28: gut war Kriegsgenerationen und so.

00:01:29: Die haben beide unglaublich viel gelesen Und es lagen mal total viele Bücher zu allen möglichen Geschichten.

00:01:35: Also Zeitgeschichte, vor allem moderne Geschichte und so weiter.

00:01:39: Und Geschichte hat mich immer gelernt, gefasziniert und ich wollte in der Richtung mal was machen.

00:01:44: Von der Schule war das jetzt vielleicht weniger.

00:01:47: und die Frage war Studierst du Geschichte?

00:01:49: Du studierst ja nicht als junger Mensch und sagst, ich werde Universitätsprofessor sondern das normale Berufsbild an das wenn du Geschichte studierest ist Lehrer.

00:01:56: Und damals, neunundsiebzig irgendwie, achtensebzig-neunundsebzig wollte ich jetzt nicht paukäuern, wie er damals gesagt hat.

00:02:03: Er hatte mir alles mögliche andere angesehen, angehört was interessant sein könnte und hat nicht so richtig etwas ergeben.

00:02:10: Ich war dann noch bei der Bundeswehr und habe immer für Freitag mich sozusagen für alle möglichen Studienberatungen aus der Kaserne verabschiedet die letzten zwei drei Monate.

00:02:20: Das ging und das war insofern gut weil am Freitags wurde man da Wachdienst fürs Wochenende eingeteilt bis meine Vorgesetzten es mir bemerkt haben und ich mehrere Wochen hintereinander wachtschieben.

00:02:30: Aber ich habe mich dann auch ganz allgemein beraten lassen, in München an der LMU die allgemeine Studienberatung also unkonkreter geht's gar nicht!

00:02:38: Und das war wirklich ein Schlüsselerlebnis denn währenddich auf diesen relativ nicht sagenen Termin wartete lag da so eine Broschüre... ...und ich blätterte drin und da war das Fach der damals nannte mal ins Forum Frühgeschichte oder prehstolische Archäologie.

00:02:52: Das wird dort vorgestellt.

00:02:53: Und da dachte ich mal plötzlich, und die muss dazu sagen, Archäologie fand ich immer ziemlich langweilig.

00:02:57: Hat mich nie besonders interessiert.

00:02:58: Geschichte Ja aber Archäologie nicht!

00:03:01: Und plötzlich ist es mir wie Schuppenwund in Augen gefallen.

00:03:04: Mensch das ist ja genau dass Die Welt hinaus die Geografie verstehen Enge zusammen mit Naturwissenschaften Mit der Botanik, mit der Zoologie, mit einer Geologie um die Umwelt zu verstehen In die menschliche Entwicklung eingebettet sind.

00:03:17: heute Das war damals noch nicht so die Paläogenätik, die ganz neue Erfahrungsmöglichkeiten gibt Und das hat mich plötzlich total fasziniert.

00:03:24: Und dann war eben auch die Frage, was machst du mit der Archäologie?

00:03:29: Das gerade im Denkmalemtern und der Denkmalschutz in Ställen aufgebaut hat.

00:03:33: also es schien plötzlich aufgrund dieses Artikels erstens mega spannend und zweitens nicht so total hoffnungslos, nicht so totalt bodenlos.

00:03:40: Und danach habe ich mich entschieden mir das mal anzusehen.

00:03:43: Was sich toll fand vielleicht bei meinen Eltern immer sich für Geschichte interessiert haben, die haben nicht gesagt oh Gott jetzt studiert er erste der Erste Sohn Er macht nicht Medizin oder Ingenieur, oder Rechtsanwalt.

00:03:53: Was handfestes, konkret ist auch Archäologie!

00:03:56: Aber sie fanden es gut und haben mich unterstützt.

00:03:59: Und das war eigentlich die erste Weichenstellung.

00:04:02: und die zweite... Ich bin ja in München geboren aufgewachsen und habe dort begonnen zu studieren an der LMU.

00:04:09: Und was ich natürlich nicht wusste, wer dort das Fach vertritt.

00:04:11: Da hatte ich das große Glück.

00:04:13: Mein Lehrer, mein akademischer Lehrer Georg Kossack, der damals schon älter, so Ende Fünfzig Und das war wirklich eine Corefé im Fach.

00:04:21: Und Corefè insofern, dass er nicht so positivistisch dachte.

00:04:25: viele Details.

00:04:26: klar ist es immer wichtig in der Forschung Daten, Datenbreite aber er hat immer uns vermittelt man muss wissen wofür mache ich das ganze den größeren Kontext und auch Kontext eben der Entwicklung der Archäologie in Verbindung mit dein Geistesideen geschichtlichen Entwicklungen und das fand ich mega spannend und da war's eigentlich klar dass ich das machen werde.

00:04:46: Und bist du dann zu dem Gespräch überhaupt noch hingegangen?

00:04:49: oder bist du ausm Wartezimmer mit der Broschüre in der Hand gleich abgerauscht?

00:04:53: Ich bin aus Höflichkeit noch kurz rein, aber allgemeine Studienberatung.

00:04:56: Also das war so ein bisschen blablabla... also da ist ein Virus übergesprungen ganz klar.

00:05:05: und was man dazu mal sagen muss vielleicht im Unterschied zur Geschichte egal um welche Zeitperiode es geht die Archäologie und das ist heute noch so Man sieht immer, ja es war schon so viel ausgegraben.

00:05:15: Wir wissen eigentlich noch ziemlich wenig und unser Kenntnerstand egal welche Epoche ist total bruchstückhaft.

00:05:22: das führt aber dazu dass es was in der Ausgraberung die markt ganz unspektakulär sein kann unser geschichtsbild einer bestimmten epoche einen bestimmten raumnummer komplett auf den Kopf stellen Und da musst du nicht golden mumien finden erreichen oft umscheinbare Details und das fand ich auch noch mal wahnsinnig spannend.

00:05:40: Das sind die Geschichtswissenschaften schon nicht mehr so, natürlich gibt es da auch noch vieles zu erforschen und alte Bilder zu modifizieren.

00:05:47: Aber ein Großteil der Quellen ist bekannt und so radikal wie in der Archäologie ist das eigentlich nicht.

00:05:53: Und was noch hinzukommt als Historiker – ich habe Geschichte im Nebenfach studiert – lernt man immer Quellen kritisch zu arbeiten.

00:06:00: Also jede Quelle hat eine Absicht.

00:06:04: Ist ja nicht so neutral in der Archeologie?

00:06:06: Es ist ganz anders!

00:06:07: Was im Boden steckt, ist komplett neutral.

00:06:09: Schwierigkeit dort ist nur, was du ausgräbst musst so richtig interpretieren.

00:06:14: Aber jedenfalls der, der die Quellen hinterlässt da wollte dich nicht in das Licht führen.

00:06:18: Ein König oder ein Herrführer, der sozusagen sein Leben aufschreiben lässt hat immer versucht es zu beschönigen... ...die unschönen Taten wurden verschwiegen und so weiter.

00:06:26: ne?

00:06:26: Das ist in der Archäologie anders!

00:06:28: Das ist wirklich objektiv neutral.

00:06:31: noch einmal die Schwierigkeiten besteht darin Es richtig, wenn du es ausgehebt, richtig zu interpretieren.

00:06:37: Die Beobachtung und die Fundbeobachtungen sind zum Teil schon ziemlich kompliziertes Geschäft aber das fand ich dann wirklich spannend und bin weit rumgekommen und weltweit eigentlich auch internationale Kontakte.

00:06:48: also ich bin da in diesem Fach richtig aufgegangen.

00:06:50: Das heißt du hast auch so richtig gegraben?

00:06:53: Ich habe richtig gegraben von Spanien, Türkei, Iran... ...die meiste Zeit in den Zizibirien, aber auch aus Belkistan, Tajikistan, Kazakhstan.

00:07:02: Also das war schon unter unterschiedliche Fragestellungen, frühe Sesshaftwertung bis hin zu den reiternormatenden Sküten.

00:07:09: Aber auch Zinnverarbeitung.

00:07:10: bekommt es Zinn eigentlich hier was der entscheidende Rohstoff für die Bronze ist.

00:07:15: Die ganze Epoche wird ja nach dem Rohstoff benannt, Bronzezeit.

00:07:19: Die Bronze kommt aber natürlich gar nicht vor.

00:07:21: Ist eine Legierung von Kupfer mit Zinn und bekommtes Zinn her?

00:07:25: Es gibt ganz wenig Lagerstätten, da hab ich in Zentralasien.

00:07:29: Die haben wir auch in späten Neunzig Jahren prospektiert erforscht und tatsächlich, das war wirklich die Stecknatel im Reuhaufen auch bronze zeitliche Zinnbergwerke gefunden in Tajikistan und Uzbekistan.

00:07:40: Und jetzt mit Isotoppenforschung, also die Isotopen-Analysen sind eben so eine Art chemischer Fingerabdruck eines Rohmaterials kann man die Herkunft dann bestimmen auch.

00:07:52: Und das ist natürlich spannend.

00:07:53: der Großteil des Zins ging nach Mesopotamien aber auch weiter.

00:07:56: Also solche Dinge hat mich wie immer fasziniert mit Naturwissenschaften zusammenzuarbeiten, aber immer um eine historische Frage zu lösen.

00:08:03: Und im Ende bin ich ja wieder bei der Geschichte.

00:08:06: Also die Archäologie ist ja auch eine Geschichte.

00:08:08: Du hast keine schriftlichen Quellen sondern du beschäftigst dich praktisch mit dem Müll der Vergangenheit das was die Menschen zurückgelassen haben und daraus wirklich ein Geschichtsbild zu formen.

00:08:17: Das fand ich schon immer ziemlich spannend.

00:08:19: Das heißt ich habe jetzt gar nicht so sehr die günstlerischen Artefakte die man hier auch so im Kopf hat Höhlenmalerei diese kleinen Venus-Skripturen, große Objekte von denen noch die Hälfte übrig ist.

00:08:36: Das habe ich gar nicht so gereizt sondern dieser alltäglichen Bruchstücke von Töpfen und Spuren von Siedlungen also eher dieses alltäcliche Ephämere.

00:08:48: Mich hat gereizт dass man auch so zunächst belammlosen Dingen wirklich Geschifter rekonstruieren kann.

00:08:54: Aber natürlich, das was du ansprichst ist wirklich high end.

00:08:58: Ich war vor zwei Jahren immer gelegen hat den Lasco diese Höhlenmalereien zu sehen.

00:09:01: Das ist umwerfend!

00:09:03: Also wie man vor zwölftausend Jahren in der Lage war... ...in hinteren Teil der Höhle die Wände mit Malereien versehen, die so lebensnah sind auch in Dynamik und Bewegung.

00:09:15: Es ist eine räumliche Tiefe, die sind hintereinander gestaffelt.

00:09:18: Da sind Perspektive drin.

00:09:19: Ist eigentlich unglaublich.

00:09:21: Man hat ja tausend danach sowas nie wieder dargestellt.

00:09:23: Man wäre in der Lage gewesen, es ist eine andere Frage.

00:09:25: Warum hat man's nicht?

00:09:26: Aber dort war das wirklich unglaublich eindrucksvoll.

00:09:29: und wenn wir sich klar machen auch die hinteren Höhlenbereichen, da ist ja dunkel, die müssen also mit Feuer, mit einer Fackel dahin gegangen sein.

00:09:36: Und wenn du dir vorstellst diese dichte Malerei oder gehst mit einer Fackel, das flackert ja das Licht Das wird fast so ne Belebung dieser Bilder als bei Vikino!

00:09:45: Und das ist natürlich schon unglaublich Eindruxvoll Genauso was du angesprochen hast Diese Venusfigurinen, die mit Furchtbarkeitskult zusammenhängen oder an der schwäbischen Alp auch so etwa fünfzehntausend Jahre oder dreißetausend jahre Vorgriffe heute an dieser Löbenmensch.

00:10:01: Also was man das Komplexe denkt und dass man nicht nur die Tiere darstellt, die man in der Natur ja vorfindet ob sie ein Bedrohen oder wo man sie jagt Menschendarstell Frauenfurchtebarkeitzkult Betonung der Wulvaer der Brüste und solche Dinge.

00:10:15: aber dann einen Mischwesen Das kann man sich gedanklich vielleicht vorstellen Wir wissen ja relativ wenig übergeben, mythischen Vorstellungen.

00:10:22: Aber dass man das sozusagen dreidimensional darstellt ein Mensch mit einem Löben kombiniert und es unglaublich fein rausgearbeitet.

00:10:29: Und dazu kommt dann noch die ersten Musikinstrumente, die ersten Flöten.

00:10:33: all das ist so in Kontext also die Malerei sag mal fast wie Kino, die figureliche Kunst und die Musik Und natürlich auch Sprache, Sprachfertigkeit.

00:10:44: Das gibt es ja schon viel länger.

00:10:45: aber das war natürlich auch soziale Mittelpunkte diese Orten in der Salle stattgefunden hat.

00:10:52: Ich erlebe dich jetzt weil ich dich eigentlich als Kulturmanager und Museumusmann kenne.

00:10:57: Erleb' ich hier einen Wissenschaftler der begeistert von diesen Dingen spricht und frag mich warum hast du das dann verlassen um im Bürosessel des Kulturmanagers auch wichtige Dinge zu tun, natürlich aber warum hast du das verlassen?

00:11:20: Also es ging schrittweise.

00:11:22: Ich hatte das Glück dass ich dann nach dem Studium in der Promotion hatte in der Sendenstelle in München an der LMU und nach der Hablitation kam ich zum Deutschen Archäologischen Institut.

00:11:32: Das ist ein Verbund von zwölf Instituten.

00:11:34: die Zentrale ist Berlin mit den Präsidenten Und dann gibt's so zwölfe Institute die zum Teil im Ausland sind zum Teil Im inland Und ich wurde stellvertretender Direktor der Römisch-Germanischen Kommission, das ist ein Zweiginstitut in Frankfurt.

00:11:47: In Frankfurt am Main eben so prehstorischen römische Forschungen hier im Mittel- und Mittel-und-Rosteuropa was da damals mein Spezialgebiet war.

00:11:58: Der erste Direktor musste die Verwaltungsschritte machen.

00:12:02: Ich konnte mich nur auf die Forschung konzentrieren.

00:12:04: Hab ziemlich viel gemacht auch ganz erfolgreich.

00:12:07: und dann hat man hier in Berlin ein neues Institut gegründet die sogenannte Orhasienabteilung.

00:12:12: Das waren, die Stählen kamen noch aus den Resten des Archäologischen Instituts der Akademierer Wissenschaften der DDR und man hat dann fünfe neunzig daraus eine diese Orhasianabteilungen gegründet eben für Forschung in der E-Malling Soviet Union weil immer mehr Forscher aus der Ukraine oder aus Russland als Georgien kam und gesagt haben kommt doch auch macht Forschung bei uns gemeinsame Kooperation.

00:12:34: und da hat man einen Direktor gesucht.

00:12:35: und weil ich Slavisch Sprachen kannte nicht russisch ein bisschen aber er hat vor allem viel in Jugoslawien, da habe ich auch mal studiert und den Verzeichisch gelernt und Slowenisch.

00:12:44: Und jahrelange Türkei gearbeitet also auch türkisch.

00:12:48: Also die Sprachen, die diesen Raum so ein bisschen umgeben... ...und dann hat man mich gefragt ob man das nicht machen möchte?

00:12:55: Und klar so einen Institut aufzubauen.

00:12:57: es war wahnsinnig heizvoll!

00:12:59: Da ging's eben nicht nur dass man selber morgens ins Büro geht und forscht oder auf eine Ausgrabung geht und kräbt Sondern du musst natürlich das dann starb an Leuten.

00:13:08: Du musst so ein Betrieb ja auch aufbauen, wir mussten eine Zeitschiftenreibe gründen, eine Monographienreibe, du musst mit Verlagen verhandeln, du muss Mitarbeiter an Land holen und am Bord holen... Und das hat mir Spaß gemacht!

00:13:21: Und ich weiß noch gut, dass ich nach Almaty bin, die damals noch Hauptstadt von Kassastern war geflogen, mit dem Rucksack und bin dann da irgendwie zum Archäologischen Institut durch die Adresse hatte.

00:13:32: Damals hat man auch gefaxte, es gab aber noch kein E-Mail irgendwie?

00:13:36: Und ich habe es an die Tür geklopft und Hallo, ich komme aus Deutschland.

00:13:39: Ich bin Archäologe, bin jetzt direkt aus einem neuen Institut Wollmer

00:13:42: kooperieren.".

00:13:43: Und wie das so war?

00:13:45: Noch als der Sowjetraditionen.

00:13:47: Ein Kollegen, den schickt man nicht ins Hotel, den nehmen wir immer mit nach Hause.

00:13:50: Also ich hab also unzählige Nächte, ihr mögt allen, mögt den kasachischen, usbekischen, kirgisischen ... Sofas verbracht.

00:13:56: im Wohnzimmer!

00:13:58: War ein zwei Tage in eine Familie integriert, das war wahnsinnig toll Das alles kennenzulernen, wie die Menschen leben auch.

00:14:04: Das sind Freundschaften entstanden und später Jahre später mehr Kollegen erzählt als wir längst schon mit per E-Mail und geflogen usw.

00:14:10: Weißt du noch der Pazinger wieder damals im Rucksack vor der Tür statt?

00:14:15: Also auch dieses Aufbahn von Verbindungen das hat mir Spaß gemacht!

00:14:18: Und wir haben dann ziemlich erfolgreich dieses Institut aufgebaut weiterentwickelt.

00:14:23: ich habe dann zwar die erste westliche Ausgrawung Im Iran, seit der islamischen Revolution, seit neunundsiebzig konnte man dort nicht mehr ausgraben.

00:14:33: Weil die Behörden es nicht mehr zugelassen haben und wir haben nach drei Tagen Verhandlungen, das war die Zeit von Khatami, da gab's eine wirkliche Öffnung im Land, an angefangene Graubung zu machen.

00:14:43: also es lief alles ganz erfolgreich.

00:14:44: und dann stand anders der Präsident des Instituts, des deutschen archäologischen Instituts gewählt wird.

00:14:50: ich war ja noch relativ jung aber dann hat man mir das angetragen.

00:14:55: Da war es natürlich schon eine andere Aufgabe, du musst dann die Gesamtstrategie in fürs Institut für diese ganzen Auslandsabteilung.

00:15:02: Wie fließt das zu einer Gesamtsstrategieforschungsstrategies zusammen?

00:15:06: Du musst dem Bundes-Sag im Haushaltsausschuss Deutsche Archäologische und Zubkürz zum Auswärtigen Amt.

00:15:11: Du musst für den Willen Haushalt kämpfen, du muss globiaarbeit machen.

00:15:15: Und das lief auch ganz gut.

00:15:16: Das war offenbar der Spur, dass er mich gefragt hat mit der Stiftung Prösischer Kulturbesitz.

00:15:20: Das sind ja auch Positionen, wo ihr nicht bewerben kannst, sondern da wirst Von gefragt muss dann vor so einer Kommission irgendwie eine Frage und Antwort stellen.

00:15:29: Und ja, das so kam es eben dazu.

00:15:33: Es war so schrittweise.

00:15:34: Man hier muss sagen rückblickend, wenn man merkt ist jetzt wo ich im Ruhestand bin von morgens bis abends habe ich nicht aber am Anfang ein Schreibtisch blieb und schreibt, dass du da wahnsinnig effektiv bist.

00:15:46: Irgendwann brauchst du ne Pause?

00:15:48: Mir fehlte auch irgendwo der Umgang mit Menschen.

00:15:52: Also freu mich immer, wenn ich da meinen Tag hab und kann wirklich nur an einem Buch weiterschreiben.

00:15:57: Aber wenn ich das so zehn Tage am Stück hab fehlt mir was.

00:16:01: Und dieses Organisieren mit Menschen gemeinsam was auf den Weg bringen Das war mir immer wichtig und ist ja auch eine Form des Gestaltens.

00:16:07: Insofern hat sich das eigentlich ganz gut ergänzt.

00:16:09: Ich habe die Forschung der Archäologie aber nie komplett aufgegeben.

00:16:12: Was?

00:16:12: irgendwann habe ich nicht mehr gegraben.

00:16:14: Es können euch jetzt jüngeren machen, aber ich habe eigentlich bis zum Schluss meine Lehre gemacht An der EFO, habe einige Leute auch promoviert.

00:16:20: Die Schülerin von mir hat jetzt den Lehrstuhl an der FO und habe eben meine Bücher geschrieben, was ich auch weiter tun werde.

00:16:26: Und das war eigentlich das Wichtige.

00:16:28: Also dass man sich so sein archäologisch wissenschaftlich resozialisierbar hält.

00:16:32: also nicht komplett kappen diese Verbindung.

00:16:35: Das ist das Schöne am Geisteswissenschaftler anders als ein Physiker-Chemiker.

00:16:39: Du kannst einfach Bücher schreiben über die Themen du brauchst kein Labor oder brauchst keinen Starbermitarbeiter.

00:16:44: Würdest du eine Grabung machen wollen?

00:16:46: Ja aber und Bücher zu schreiben, Synthesen zu bestimmten Epochen.

00:16:50: Das ist das was mir Spaß

00:16:51: macht.".

00:16:52: Und so ließ sich das Maiserachtens ganz gut verbinden?

00:16:58: Genau ich hatte ja eingangs gesagt aber bekannt bist du vielen als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und da fallen natürlich in deiner Amtszeit sozusagen wegweise eine Fragestellungen ob dass das Humboldt Forum ist oder die Rückgabe von Raubgut Das sind alles wahnsinnig spannende Themen, über die du schon viel gesprochen hast.

00:17:20: Deshalb ich vorschlage das Fetti überspringen und auslassen und vielleicht hallen sie nach!

00:17:26: Und jetzt mal den Blickwerfen auf das was du aktuell machst, nämlich Kurator des Hauptstadt Kulturfonds zu sein.

00:17:35: Als der Hauptstadt-Kulturfond eingerichtet wurde, war es am Anfang von meinem Weg eine sehr nahbare Institution und auch wenn es in den Statuten glaube ich schon anders stand, schon eine die so ein bisschen auf Offkunst andere Wege junge Kunst vermeintlich oder wirklich innovatives blickte.

00:18:05: Und das hat sich glaube ich mit den Jahren ein bisschen geändert.

00:18:09: Die Institution ist ja auch selber älter geworden total spannend, aus unterschiedlichen Gründen.

00:18:19: Also einmal kommst du ja sozusagen richtig aus dem Herz, einer der größten Maschinen dieses deutschen Kulturbetriebes kann man ja schon so sagen.

00:18:27: ich weiß nicht was waren das?

00:18:28: Dreiundzwanzig Museen oder nur dimensionsmäßig und diese Riesenprojekte wie Humboldt Forum und so und macht da jetzt sozusagen etwas Kleines in Anführungszeichen Wie du das dann neu interpretierst für dich.

00:18:44: Ja, was für eine Aufgabe du für diesen Player siehst.

00:18:48: Ich glaube es sind fünfzehn Millionen Fördergelder also auch nicht wenig, schon echt viel Geld mehr geworden mit den Jahren.

00:18:56: aber wie ist das?

00:18:57: Wie eine Neuerfindung für dich oder...

00:19:00: Ja in gewisser Weise natürlich schon wie auch der Sprung von der Archäologie zur Stiftung Pröserkulturbesitz neuerfindungen war und ich habe damals wenn ich das vergleiche schon noch überlegt also damals mehr als jetzt heute weil ich natürlich jetzt die Kultur und Kunstzehnte viel besser kenne.

00:19:16: Damals war es ein wirklicher Sprung von der Reihenforschung im Bereich, wo du für Museen von der Antike bis zum Hamburger Bahnhof, bis zu technösische Kunst, Staatsbibliothek und all diese anderen Player um bald vor und dann zuständig bist.

00:19:30: Aber ich habe so unglaublich viel gelernt in ganz andern Fächern.

00:19:34: Ich hab zur Kunst unglaublich viele gelernt auch von den Kollegen.

00:19:37: einfach auch, ja?

00:19:38: Denn nicht so dass jeder alles kann!

00:19:40: Man muss nicht alles können.

00:19:42: Wenn du so eine Einrichtung leitest, musst du einfach Freiraum schaffen für deine leidende Mitarbeiter, die Museumsdirektoren und so, dass das ihr programmisch abspielen könnt.

00:19:53: Du musst wenn Stellen zu besetzen sind möglichst gute Leute finden, die kreativ auf diesen Positionen die Arbeit weiter führen.

00:19:59: Das ist ja der Aufgabe!

00:20:00: Du musst jetzt nicht überall sozusagen kuratieren und so... Aber in dieser Beschäftigung mit anderen Menschen auch neu in dich Wenn du als Direktor für Nationalgradie suchen musst und so weiter, guckst du dich ja um.

00:20:13: Lernst Leute kein Sprichs mit Menschen?

00:20:15: Die Architekten David Schipperfeld, Jacques Herzog, das waren ganz großartige Begegnungen.

00:20:20: Da sind auch zum Teil Freundschaften entstanden die ich wirklich nicht missen möchte.

00:20:24: Und insofern diese oder die vielen über das Humboldt Forum, die vielen Kooperationen.

00:20:29: wir haben jetzt in Afrika was über die Jahre entstanden ist... Auch da wirklich ob es jetzt in Nigeria ist oder Tanzania oder so wirklich enge Kontakte Und das hat mir die Welt noch mal geöffnet und Rückblicken, muss ich sagen, welchen Alchemie verblieben.

00:20:43: Hätte ich ein ganz kleines Fenster nur geöffnete gehabt?

00:20:47: Da hätte ich zwar wahrscheinlich alles gewusst, so ein Anführungszeichen aber mir wäre so unglaublich viel Verborgen geblieben!

00:20:54: Insofern finde ich diese siebzehn Jahre SPK wirklich als großes Geschenk.

00:21:00: Wenn ich das jetzt sehe mit dem HKF ist man nicht so fremd wie die Stiftung damals Jetzt nicht mehr von der großen Institution oder von der größten Institution in Berlin, die so gut an Leuchttürm.

00:21:12: Sondern du bist jetzt verantwortlich und genau wie du es beschrieben hast den Anspruch haben wir natürlich auch weiterhin.

00:21:18: Ich glaube das hat heute mich unterhalten wird Mitgliedern der Jury dass wer wirklich neue innovative künstlerische Programme ermöglichen.

00:21:27: Das ist ein Ermöglichungsfonds der den kaum einer anderen Stadt zu gibt Und deshalb Hauptstadt-Kulturfonds.

00:21:34: Der Bund gibt fünfzehn Millionen für kulturelle Programme in der Hauptstadt und das ist für mich die andere Seite der Kultur im Berlin.

00:21:41: Wenn ich mir jetzt umgucke, Institutionen ansehe wo ja viele Dinge auch stattfinden ob das jetzt das Hau ist oder auf so vielen Säle oder Rambazamba war ich kürzlich dieses Theater mit, die wird Down-Syndrom Leuten arbeiten... Das ist wahnsinnig faszinierend!

00:21:59: Wirklich, es macht unglaublichen Spaß.

00:22:01: Ich bin gerade dabei jetzt.

00:22:02: Das war ja Mitte Februar oder Mitte April war ein Antragsfrist die an der Anträge abzugeben ist und fast drei Hundert Anträge.

00:22:09: also das ist schon auch Arbeit die das ist aber das alles zu lesen sich anzuschauen und dann gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Jury da wirklich sachgerechte Entscheidungen zu treffen die wie gesagt gerecht und fair sind Aber die natürlich auch immer.

00:22:24: Und doch das werden wir mehr anträgen.

00:22:25: Es geht bleibt gleich wirklich die besten rauszusuchen, das ist auch da.

00:22:31: Ich merke es jetzt schon wie ich ganz neu ist dazu lerne und das finde ich einfach auf eine große Chance ein großer Gelegenheit.

00:22:37: Und dich des Geldes ja nicht für mich sondern ich will gemeinsam natürlich zusammen mit der Jury wir wollen einfach dir wirklich viel ermöglichen an neuen innovativen Dingen, experimentellen Dingen und das muss auch weiterhin das Ausschlaggebende sein für die Bewilligung von Projektmitteln.

00:22:53: also insofern folge mich auf diese Aufgabe.

00:22:55: Ich bin da ja zum Teil auch schon drin seit zwei Monaten jetzt und finde das noch mal eine super Ergänzung.

00:23:03: Und es ist ja so, dass in Berlin es einerseits die Leuchttürme sind, SPK für Harmonie, deutsche Oper, Staatsoper aber es sind eben auch diese anderen Teile unserer Kunst- und Kultur.

00:23:14: Das ist die andere Seite und die freie Szene vor allem.

00:23:17: Zum Teil wenn man dann aussieht unter welch prekernen Umständen künstlerinnen Künstler dort tätig sind diese Probleme man strukturell auch nicht durch den Fond nicht lösen können, aber du kannst einfach Dinge ermöglichen und das finde ich total wichtig.

00:23:32: Jetzt habe ich aus meiner Biografie heraus den Hauptstadt Kulturfonds und vielleicht nicht alle, aber doch viele derer die das Kuratorium gebildet haben so ein bisschen als links-versiv erlebt.

00:23:50: Ich habe keine Ahnung, was da eine politische Heimat ist.

00:23:52: Aber zumindest von der Arbeit der Institutionen hab ich dich nicht als subversiv erlebt sondern als Staatsdragende vielleicht jetzt auch gemein aber mit einer anderen Mission als vielleicht sozusagen aufrühren zu sein.

00:24:09: schon eher ja das Staatstragen das hatte das ja schon.

00:24:14: was bewahren das also strukturell eher konservativ?

00:24:18: Siehst du dich da in so einer Tradition oder siehst du das als Bruch?

00:24:23: Oder ist es gar nicht eine Fragestellung, dass du dir anguckst?

00:24:26: okay Hauptstadtkultur von wer hat das denn bislang gemacht.

00:24:29: Was waren das für Haltungen?

00:24:33: Wie liest du sowas für dich?

00:24:36: Also ich glaube bei solchen Positionen oder Ändern oder Aufgaben egal wie man's nennt, das kommt natürlich immer drauf an was man da gerade übernimmt.

00:24:45: und SPK klar das war schon irgendwie Staatstragen, der klar.

00:24:50: Ich meine das war ein Stiftungsrat da saßen Bund und Länder oder saßen so unsere viele Minister-Ministerinnen um einen herum oder Staatssekretäre und so.

00:24:57: und dann merkt man schon die Bedeutung der Einrichtungen insgesamt und man will natürlich Erfolg haben in dieser Funktion aber der bemisst sich letztendlich nur daran was erreich ich für die Einrichtung?

00:25:09: Und das ist eine zentrale Aufgabe!

00:25:12: Jetzt es wieder eine ganz andere Aufgabe.

00:25:16: Also ob man jetzt subversiv oder eher konservativ, also nicht als konservativen Menschen hat mir versucht auch politisch mich jetzt nicht unbedingt irgendwo zuzuordnen.

00:25:26: Ich bin der der ich bin und bastert aber trotzdem würde ich mich eher so links liberal eigentlich einordnen Und kennen aus vielen Parteien eine jetzt nicht Aber aus allen anderen eigentlich Leute die ich schätze und mag bis hin zum linken Und auch Leute, mit denen ich nicht so gut zurechtgekommen bin.

00:25:45: Das ist ganz normal und das finde ich macht die demokratische Partei-Nasche bei uns eigentlich aus wie gesagt Ausnahme einer Partei.

00:25:56: Jetzt ist es so dass man natürlich was ganz anders gefordert ist der AKF ist nichts staatstragendes.

00:26:03: Es gibt natürlich da auch die großen Einrichtungen die mein Antrag stellen aber im Endeffekt überwiegend ist es einfach für eine ganz andere kulturellen Bereich Und deshalb muss man deren Nöte, deren Bedürfnisse kennenlernen.

00:26:17: Auch lernen ist absurd zu glauben.

00:26:20: ich beherrsche also jetzt alles von Performance bis Literatur und so weiter Film.

00:26:24: Dafür gibt es die Jury mit den Fachleuten aus den einzelnen Gebieten, die auch im Übrigen alle andere gelesen, die wir gemeinsam dann diskutieren und einfach auch da wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen gemeinsam, die den künstlerinnen Künstlern wirklich helfen.

00:26:40: das ist glaube ich das entscheidende.

00:26:42: Und natürlich gibt es da, wenn man jetzt Theater oder Performance nimmt.

00:26:45: Da gibt's die Fachleute in der Jury, die Expertise mitbringen, die die Innensicht haben.

00:26:50: und wenn ich so einen Antrag sehe, das ist nicht behauptend dass ich Fachmann dafür bin aber ich habe natürlich schon ein gewisse Erfahrungen im Kulturbereich und hab eine Außensicht darauf.

00:26:58: Und diese Diskussion aus der, die Innen- und die Aussen sich zusammenzubringen und dann eine gute Entscheidung zu treffen und voneinander zu lernen – das ist glaube ich total spannend!

00:27:07: Insofern ist dann logisch, also wenn die Staatsbibliothek unter Linden eröffnet, ist klar dass er mit Schlips und Kragen dahingeht.

00:27:16: Und wenn man jetzt in irgendein Theaterstück in Neukölln eröffnt dann geht man noch anders hin.

00:27:20: das logisch aber das ist für mich muss auch durchaus ein bisschen entspannter lockerer.

00:27:28: Das sind auch die Erwartungen die man an einen Amt hat und an denen irgendwie dieses Amt ausfüllen.

00:27:33: und ich habe bei der Stiftung war ich der Meinung ich muss man kann sagen muss mir nicht erfüllen aber ich sollte sie erfülle auch als Respekt vor dem Beamt.

00:27:41: Das mag vielleicht ein konservatives Denken sein, aber so habe ich es einfach gesehen.

00:27:44: Und jetzt ist wieder ganz anders und ich finde das durchaus auch befreiend!

00:27:47: Also ich hab unter dem anderen nicht gelitten, ich hab' das auch genossen... Aber es war dann nach acht, siebzehn Jahren dann auch mal gut und jetzt wird's für zwei, maximal vier Jahre, diese Tätigkeit wird's halt anders sein und also ich freue mich

00:28:01: darauf.

00:28:02: Wenn man sich die Traditionslinien der Kulturpolitik ansieht, Linke und auch grüne Kulturpolitik oft für eine Instrumentalisierung von Kunst- und Kultur für politische Ziele.

00:28:20: Nachhaltigkeit war in den letzten Jahren schon so ein Thema, wo auch ganz klar sein Gelder mit Aufeldagen versehen wurden.

00:28:30: Währenddessen konservative Kulturpolitik lange dafür stand, dass die Freiheit der Kunst, die Freiheit unserer Gesellschaft widerspiegelt.

00:28:41: je dollar desto besser, weil man sich dann feiern konnte als frei.

00:28:46: Weshalb auch paradoxerweise für innovative künstlerische Projekte zu weilen eine konnovative Kulturförderung gar nicht schlecht war.

00:28:56: Wir erleben nach jetzt ja ne Wende die in meiner Beobachtung leider eigentlich von der AfD ausging und jetzt von Teilen der CDU übernommen wird dass man natürlich mit Kultur auch Agenda Setting machen kann Und auch aus konservativer Perspektive beginnt, Kulturpolitik zu betreiben und Kultur aufzuladen.

00:29:20: Der Kulturstaatssekretär Weimar hat in verschiedensten Kontexten davon sich Reden machen lassen... ...und du hast dich ja schon positioniert und warst damit konfrontiert.

00:29:34: Ich glaube das ist bei dir die Jury eben nicht nur kritisch angeguckt wurde sondern eingegriffen wurde.

00:29:40: wie hast Du das erlebt?

00:29:42: Positionierst du dich da als Kampfsportler?

00:29:45: Habe ich gesagt, du bist Jurokarm mit.

00:29:48: Ich weiß nicht wieviel Schwarzen Götteln aber einigen.

00:29:51: Wie gehst Du damit um?

00:29:54: Also das ist in der Tat eine Veränderung die sich hier vollzieht und ich kenne also durch die Zusammenarbeit jetzt schon mehrere Staatsminister.

00:30:02: Ich bin mit Bernd Neumann an, aber ich kende auch alle anderen vorhergehend dem Christina Weiß Bis hin zu Michael Naumann sind wir befreundet, telefonieren ab und so.

00:30:11: Ich kenne wirklich die ganze Reihe und Abneulmann auch aus der Zusammenarbeit Und ich habe immer Bernd Neulmann das schätze ich auch an.

00:30:19: ihm war immer so Der war nur ein konservativer CDU-Politiker.

00:30:24: Aber er hat einfach gesagt meine Aufgabe ist die Rahmenbedingungen für die Kultur zu verbessern und der Kultur Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

00:30:32: Das war auch die Grundhaltung von seiner Nachfolgerin Monika Kruthers, den jetzt was du beschrieben hast und das ist die Kultur des Brauch-die-Kultur.

00:30:40: so muss es eigentlich sein bei der Instrumentalisierung wenn es rot-grün wird In dem Moment, wo es für die richtigen Dinge ist.

00:30:50: Also ich meine zwar klar Nachhaltigkeit wir müssen irgendwie umdenken auch die Museen müssen umdecken.

00:30:54: das kann nicht sein also in wahnsinnige jetzt bei den Sanierungsmaßnahmen dass irgendwie Energieeinsparung gar nicht berücksichtigt worden ist einfach weil die Pläne wurden früh gemacht und zehn Jahre später beginnt man mit etwas das so eine dermaße Dehnung der Realisierung in der Realisierung der Aufgaben was man da umdenken muss, aber ich glaube das ist unabhängig von der politischen Haltung.

00:31:16: Ist es so?

00:31:17: Und selbst die Frage des kolonialen Kontexts bei den Sammlungen, dass wir den Beschluss gefasst haben, die Benjamin Bronson zurückzugeben war und der Monika Krüters also eine CDU-Kulturpolitikerin war... Also das war gar nicht so scharf getrennt früher!

00:31:32: Und jetzt haben wir halt so ne Richtung, die ich wirklich schwierig finde.

00:31:36: und soweit du gesagt hattest die Jury im hauptscher Kulturfonds.

00:31:39: Es ist inzwischen klar, da ist niemand durchs Haberverfahren gekommen.

00:31:42: Das wäre glaube ich sonst echt ein Problem.

00:31:46: Das ist der Jury auch nochmal vermittelt worden weil die natürlich mir auf den Brief geschrieben haben und so weiter... Und diese Unabhängigkeit der Jüri.

00:31:53: also für mich muss das Grundgesetz ausschlaggebend sein und die Freiheit der Kunst wo sie nicht andere Freiheiten oder andere Gesetze und andere Grundrechte sozusagen mit anderen Grundrechten politiert muss das das oberste Primat sein.

00:32:07: Das kann etwas grauenvoll, schrecklich sein aber deshalb so langs von der Kunstfahrt gedeckt ist, muss man es akzeptieren.

00:32:13: und ich finde halt auch diese Frage jetzt auch Dinge die mit diesen drei Buchhandlungen und so, die wahrscheinlich jeder kennt im Vorfall kannte sie kein Mensch dass man also Demokratie... Also so stabil ist sie doch noch ja?

00:32:29: Dass wir das auch noch aushalten, dass es kritische Stimmen gibt Und das gehört zu dieser Vielfalt einfach dazu.

00:32:35: Und ich habe ein bisschen Angst, dass hier eine Strategie langsam etabliert wird.

00:32:43: Die dann – wenn man radikale Andermacht sind und wir wissen den Landtagswahl allen die uns anstehen in diesem Jahr – wird man mal sehen und natürlich bedenktlos übernehmen.

00:32:51: Man kann sie noch nicht mehr vorwerfen und sagen, das haben wir die Konservativen auch schon gemacht.

00:32:55: Aber dann nochmal mit ganz anderen Aspekten, die dann nachhaltig spielen.

00:33:01: was da so... hier irgendwo national wertvoll ist, die Identität.

00:33:06: und wenn man sich die Texte der AfD in Sachsen-Anhalt anschaut.

00:33:09: Die Auslassung übers Bauhaus, da denke ich Hallo bin ich ja in den neunzehntreißiger Jahren oder wo bin ich eigentlich?

00:33:15: Und das finde ich das Schwierige.

00:33:16: Man müsste gerade jetzt ein klares Zeichen setzen.

00:33:18: Die Freiheit der Kunst geht über alles.

00:33:20: Es gibt Dinge, die finden wir furchtbar aber es ist Freiheit der Kunst.

00:33:23: Solange Sie nicht sozusagen die Menschenhöhe und Anderes in irgendeiner Form Volksverhetzung irgendwelche Straftaten dann sind, aber das redelt ja nicht der Fall Und das finde ich ein bisschen schwierig.

00:33:34: Und zu sagen, klar jeder kann alles tun und alles sagen ist von der Meinungsfreiheit gedeckt aber es muss ja der Staat nicht fördern.

00:33:43: Naja, das ist so eine Sache weil die Frage wäre nicht gefährlich keine Förderung bekommt kann er dann überhaupt nur seine Kunst ausüben.

00:33:52: Das ist auch schwierig, das Argument sticht für mich auch nicht so ganz.

00:33:56: Insofern muss man glaube jetzt aufpassen... Ich habe die Hoffnung dass wir das irgendwie dass es langsam ein bisschen beigelegt wird, ich weiß nicht, was der Fall ist.

00:34:05: Aber ich würde mir wünschen wenn wir wieder da hinkämen, wo eine konservative CDU-Kulturpolitik vor einigen Jahren war.

00:34:15: Ein lustiges Bild, das man sich danach zurücksehend aber vor dem Hintergrund der Argumentation auch für mich total nachvollziehbar.

00:34:24: Wenn man nach vorne guckt, du hast das ja angerissen mit den anstehenden Landtagswahlen Sachsen Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern Aber auch die Umfragen bundesweit müssen ja keine Ausbashingen betreiben.

00:34:38: Auch die Umfrage bundeswald sehen die AfD als stärkste Partei und dass man kann natürlich sagen, nein, die werden ja keine Minister in den Stellen aber das weißt du ja gut genug aus deiner Erfahrung.

00:34:51: Die sitzen dann in Ausschüssen und so weiter, und bestimmen dadurch natürlich die Arbeit der Kulturinstitutionen massiv mit.

00:34:59: Sie stellen große und kleine Anfragen und insofern ist eine weitere Polarisierung doch eher zu erwarten.

00:35:13: Die Frage auch für Förder-Einrichtungen ist wie positionieren sie sich diesbezüglich?

00:35:22: Machen Sie, wie verteidigen sie das was uns seit Kulturschaffenden total wichtig ist?

00:35:30: Ja.

00:35:30: Das ist wirklich eine wichtige Frage, wo ich auch keine Antwort habe insofern also nicht voraussehen kann, wie die Dinge sich nun wirklich entwickeln.

00:35:41: aber es ist vollkommen klar dass es kein Ostphänomen mehr, das ist gesamtdeutsch und Wir müssen auf jeden Fall in den Bereichen, wo man Verantwortung hat wie jetzt in meinem Fall im hauptscher Kulturfonds.

00:35:55: Wir müssen weiterhin nur eines ernst nehmen das ist Grundgesetz.

00:35:59: Das muss für uns ausschlaggebend sein und uns jeglicher andere Einmischung widersetzen.

00:36:05: Der schlimmsten Fall will ich jetzt mal nicht annehmen aber Ich bin gespannt wie diese ganze Entwicklung weitergeht.

00:36:13: Es gibt der Fälle wie Ungarn Niederlande wo es dann zu einer Gegenbewegung wieder kommt.

00:36:18: Soweit sind wir jetzt noch nicht, ob wir am Anfang von etwa stehen oder ob es soweit gar nicht kommt.

00:36:23: Das wird man alles sehen.

00:36:24: das ist auch schwierig aber es macht einen schon sorgenvoll wenn man sieht welche Zustimmung es gibt und das ist irgendwie auch so ein Punkt dass die Menschen in Deutschland irgendwie keine Geduld mehr haben.

00:36:37: also das gehört zur Demokratie dazu dass man diskutiert dass es dauert dass man Kompromisse schließt und ich einfach durchregieren kann Und dass man aber jetzt den demokratischen Parteien und es ist doch auch klar, eine SPD die in einer ganz schwierigen Situation ist mit CDU von der man ganz starke und vehemente Reformen erwartet.

00:36:56: Dass das nicht so einfach zusammenkommt also da muss man ja nicht so soll doch jeder begreifen können und dass man da keine Geduld mehr hat das ist schwierig denn wie sieht die Alternative denn aus?

00:37:08: Das ist immer die Frage zur Demokratie.

00:37:11: Man fängt an, die Demokratie so stückweise sozusagen zu filetieren und das finde ich ist gefährliche dabei.

00:37:17: Und natürlich haben wir jetzt besondere Herausforderungen.

00:37:21: Das ist ja klar mit Migrationen und Energiepreise, die Kriege der Ukraine im Iran mit enormer Auswirkung aber muss man doch auch klar machen sowohl die Ampel als auch jetzt die jetzige Regierung haben extrem schwierige Rahmenbedingungen wie sie vielleicht nicht schwieriger waren und es muss man auch mal anerkennen.

00:37:44: vielleicht nur eine Frage, die ein bisschen spekulativ ist und für mich noch schmerzhafter als manche andere Überlegungen, die wir haben anstellen müssen.

00:37:57: Du hast jetzt auch ein bisschen argumentiert in die Richtung wie sich die Kunst verteidigt gegenüber etwaige Eingriffe Angriffe, Anmaßungen von rechts.

00:38:10: Wenn man das jetzt aber weiter denkt – und ich

00:38:12: für meine

00:38:12: Hochschule denke mir immer nach ja, wir sind halt ne Kunsturschule in Hamburg So was, aber wenn ich jetzt mal an der Universität in Hallo unterrichten würde, würde ich irgendwann davon ausgehen dass auch im Malmhörsaal vierzig Prozent der Studierenden AfD wählen.

00:38:30: Und dementsprechend würde ich mir auch irgendwann vorstellen das rein statistisch gesehen zwanzig Prozent der Antragssteller oder achtzehn des Hauptstadt Kulturfonds AfD wähln, wenn so viele in Berlin AfD wähle.

00:38:45: Jetzt mag die Kunstszenen noch ein bisschen anders sein, aber irgendwie wird sich ja dieser politische Wandel auch in der Kunstproduktion oder in denen die Kunst produzieren widerspiegeln.

00:39:02: Und so sehr ich vorhin bei deinem... für mich gilt nur das Grundgesetz sozusagen Nika bei der Vorstellung dass dann irgendwann I don't know.

00:39:12: Ausstellungsanträge über deutsche Landschaftsmallerei, wo die Tonalität noch mal eine ganz andere ist als das was wir bislang an deutschen Landschaftsmallerei-Ausstellungen gesehen haben also in der deutsche Romantikausstellung kann man so und so machen.

00:39:26: Was für Kriterien setzt man da an?

00:39:28: Wie geht man mit sowas um?

00:39:32: oder sagst du komm Friedrich jetzt übertreibts nichts alles Spekulation mal nicht mal sich an die Wand

00:39:40: Es ist spekulativ.

00:39:42: Im Endeffekt auch immer das Konkurs jetzt ernst nimmt, wenn ein toller experimenteller innovativer Antrag gestellt wird.

00:39:52: Ob der Antragsteller AfD gewählt hat oder nicht müsste dann eigentlich egal sein.

00:39:55: es geht um die Qualität des Antrags.

00:39:58: nur ob das so ein Antrag sein wird ist die Frage.

00:40:03: Und dann wird man sich natürlich überlegen, wenn so ein Instrument wie der Hauptschul-Kulturverbeiter hin und er soll der internationalen Strahlkraft der Kultur in Berlin verleihen.

00:40:13: Also die Qualität muss weiterhin das oberste Kriterium sein.

00:40:17: Wenn er das nicht mehr erfüllt, wenn es dann so eine Deutschtümelei absackt... Dann glaube ich ist dieses Förderinstrument Ja, dann müsste man zumindest auf jeden Fall einen anderen Kurator haben wenn man sowas und wahrscheinlich auch eine andere Jury, wenn man so was sozusagen dann fördern will.

00:40:34: Aber dann hat sich das eigentlich überlebt.

00:40:36: Und soweit will ich jetzt noch nicht denken, denn ich glaube nicht dass man tatsächlich, dass sich das verbinden lässt.

00:40:45: also nicht nur was man wählt ist eine Sache aber eine Haltung mit all den Dass da solche Anträge entstehen, so wie Projektideen, wie ich sie jetzt gerade mit den Anträgen auch lese... Das kann ich mir nicht vorstellen.

00:41:02: Was es nicht heißt, dass man über Landschaftsmannerei was ist, aber das muss dann Qualität vor sein.

00:41:05: Nicht irgendwie Deutsch-Tümelik oder sonstwie.

00:41:09: Darauf glaube ich müssen wir schon achten.

00:41:11: Gerade auch mit unserer Geschichte.

00:41:14: Und das heißt jetzt nicht, dass nur Postkoloniales und so weiter in der Rolle spielt.

00:41:18: Das ist gar nicht bei den anderen auch gar nicht der Fall!

00:41:20: Diese Offenheit für alles die Mustase und dann die Qualität Und ob dann so eine Qualität noch kommt?

00:41:30: So, jetzt müssen wir noch irgendwie die Kurve kriegen.

00:41:32: Dass das kein düsteres Ende dieses Podcasts wird, denn das wollen wir beide nicht!

00:41:37: Ich stelle immer am Ende die Frage nach dem Fantasiemusker der namensgebend ist für den Podcast also die Vorstellung dass wir alle irgendwie so ne Gabe haben uns Dinge vorzustellen und auch sie uns sofort zu stellen dass wir dann Lust haben sie anzupacken dass wir eine Fantasie haben, manche haben sie mehr und manche weniger.

00:42:01: Wir glauben, dass man das vielleicht auch trainieren kann.

00:42:05: Hast du so etwas wie ein Fantasiemuskel oder kommen dir die Ideen für was du machen willst?

00:42:10: Was du unterstützen willst?

00:42:12: Sein zugeflogen oder gibt es irgendeine Praxis?

00:42:16: Eine Übung, die du anderen empfiehlst, wie Sie Ihre Offenheit für Neues, die Du ja selber praktizierst und gut beschrieben hast.

00:42:24: Wie Sie sich aufrecht erhalten

00:42:27: aneignen.

00:42:28: Also ich glaube, ganz schwierig ist... Ich weiß nicht, ob ich ein Mensch mit so besonders viel Fantasie bin?

00:42:34: Als ich jetzt künstlerischer Fantasier.

00:42:37: aber also ich bin kein schlechter Zeichen, aber ich werde die Grafiker geworden, muss man sozusagen.

00:42:45: Ich habe früher ganz ordentlich Klavier gespielt und werde nie Musiker geworden.

00:42:49: Aber ich glaub, die Offenheit immer Neues kennenzulernen Da auch ein bisschen mutig zu sein und nicht immer nur zu sagen, ich mache das erst.

00:42:58: Wenn ich es total beherrsche so einen Sicherheitsdenken, dann bin ich da mal mutig, mal ins Risiko gehen.

00:43:03: Das ist glaube ich... ...das hat mich im Leben eigentlich immer weiter gebraucht und ich habe unglaublich viel immer dazu gelernt.

00:43:10: Und ansonsten ist mein was die Ideen betrifft?

00:43:13: Ich brauche immer eine konkrete Fragestellung oder Problemstellung und dann kommen auch Ideen!

00:43:18: Das ist vielleicht ja die Haltung des Wissenschaftlers sehr pragmatisch zu sein.

00:43:22: aber das hatten wir in dem Kulturbereich nie geschadet Vor allem in dem Kulturbereich, entweder wie bei der Stiftung pro Kultursitz.

00:43:28: Ja nicht selber korratiert sondern den ermöglichten Bauprojekte auf den Weg bringen, Politiker überzeugen muss dass sie etwas fördern oder jetzt auch ein hoscher Kulturform wo du ja sozusagen andere unterstützt ist glaube ich diese pragmatische Denkweise ganz gut und daraus dann eben Ideen entstehen lassen wie man einfach Probleme die sich ergeben herausforderungen wie man die bewältigt.

00:43:55: Lieber Herrmann, vielen Dank für das Gespräch.

00:43:59: Gerne!

00:44:01: Und Ihnen liebe Zuhörerinnen, vielen dank fürs dabei

00:44:16: sein.

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